2. Adventssonntag
Geschrieben von: P. Hans-Georg Löffler OFM   
Liebe Schwestern und Brüder,
es schwelte schon länger - nun gewinnt die Frage: Weih-nachtsmann oder Nikolaus öffentlichen Charakter. Eine breit angelegte christliche Kampagne ruft nach „Weihnachtsmann freien Zonen", es werden verstärkt „Schokoladennikoläuse" produziert mit Mitra und Stab, die mit dem rot-weissen Weihnachtsmann in Konkurrenz treten. Selbst Politiker be-fassen sich mit dieser Frage und positionieren sich unter-schiedlich. Der Erzbischof von München und Freising sagte deutlich in einem Radiointerview:
„Wir brauchen nicht den bärtigen, alten Mann im roten Filz-kostüm, den Weihnachtsmann, den die Industrie erfunden hat, um an unser Geld zu kommen."
Eigentlich scheint es unbedeutend zu sein, sich mit einem solch eher banalen Problem wirklich auseinander zu setzen. Und doch liegen bekanntlich in den kleinen Dingen, den Zei-chen am Weg oft Botschaften, die nicht übersehen werden sollten.
Es gibt so vieles, das dem Menschen eine vermeintlich grö-ßere Freiheit und Selbstbestimmtheit suggeriert - ihn aber letztlich immer mehr verstrickt auch in wirtschaftliche Zu-sammenhänge und Zwänge. Ich erinnere hier gern auch an die Diskussion um Ladenöffnungszeiten oder einkaufsfreie Sonntage, die durch Entscheid des Bundesverfassungsgerich-tes nun geklärt zu sein scheinen. Und worum geht es in die-sem Urteil? Geht es um die Stärkung der Macht der Kirchen in unserem Land - wie von manchen Seiten moniert wurde - nein, es geht um den Menschen, um den Menschen, der mehr ist als ein Wirtschaftsfaktor. Wer den Menschen allein über ihre Leistungsfähigkeit und Kaufkraft definiert, nimmt ihn nicht ernst, reduziert und missbraucht ihn als Mittel zum Zweck.
Es ist die Aufgabe der Kirchen daran immer wieder zu erin-nern und in unserer Gesellschaft für das Wohl des Menschen einzutreten, der Zeiten und Möglichkeiten braucht, sich auf das Leben besinnen zu können, sich Zeit nehmen zu können für Dinge, die das Leben ausmachen und reich machen auf einer ganz anderen Ebene durch zwischenmenschliche Be-gegnungen, durch soziales oder caritatives Engagement, durch Zeiten der Erholung. Gerade das ist es, was der auch Mensch als soziales Wesen braucht: Zeit um überhaupt noch spüren, entdecken zu können, dass es dieses „mehr" an Leben auch für ihn gibt, dass er mehr ist als ein wehrloses Rad in einem unbarmherzigen Getriebe, aus dem er nicht heraus-kommt.

In einer pluralistischen Gesellschaft fließen viele unter-schiedliche Weltanschauungen zusammen.
Wir als Christen werben darum, mit uns auf Christus zu schauen, von ihm zu lernen, das Leben und die Menschen zu sehen aus dem Blick der göttlichen Barmherzigkeit, die in ihm Mensch geworden ist.
Wir haben noch diese Vision, die in der Botschaft der alten Propheten aufleuchtet. Gerade sie berühren uns im Advent in besonderer Weise mit ihren kräftigen Bildern der Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit, die von dem kommen, den das Volk Israel erwartete - der Messias. In Christus, so glauben wir, ist er in Zeit und Geschichte erschienen, hat unter uns gelebt, hat uns gezeigt, wie wir miteinander leben und den Glauben an den einen Gott in unserer Zeit und in unserer Ge-sellschaft erden können, damit er wirkt und nicht wie eine fromme Idee verpufft.
Darum die immer aktuelle Gebetsbitte des Paulus in seinem Philipperbrief: „Ich bete darum, dass Eure Liebe immer noch reicher wird an Einsicht und Verständnis, damit ihr beurteilen könnt, worauf es ankommt!"
Ich möchte in dieser Zeit, in der unsere Sinne von visuellen und akustischen Reizen oft so überstrapaziert sind, mir eine innere kritische Haltung bewahren: wo stehe ich und wo will ich hin mit meinem Leben - wofür kann ich dankbar sein - wo sollte ich achtsamer sein im Umgang mit meiner Zeit, mit den Medien und Kommunikationsmitteln, mit meinem Geld? Im Umgang mit den Mitmenschen, die ich liebe, mit denen ich arbeite, die mir anvertraut sind!
Im Umgang mit der Schöpfung und ihren Ressourcen!

Der Mensch, liebe Schwestern und Brüder, braucht den Be-zug zu Gott, der ihn ermutigt, sich nicht mit sich selbst - sei-ner eigenen Kraft, seinem eigenen guten Willen - allein zu begnügen und der ihn bestärkt, über sich selbst hinauszu-schauen; ein Gott, wie er uns von Jesus Christus vorgestellt wird, der einlädt, den Kompass neu auszurichten, wenn sich der Weg als falsch erweist - ohne mich fallen zu lassen. Er braucht den Bezug zu Gott, bei dem ein „Mehr" an Leben, an Zukunft und Kraft zu finden ist.

Dafür steht nun eindeutig der Bischof Nikolaus - er war Bi-schof, das heißt, er stand mit seinem Leben und Wirken ein für den christlichen Glauben. Er verkündete die Liebe Gottes, die keinen Menschen im Stich lässt - die die Menschen sieht in ihrer Not, im Schiffbruch ihres Lebens, in ihrer Verzweif-lung - die Liebe Gottes, die nicht wegschaut. Die Liebe Got-tes, die sich durch Menschen, durch ihr mitfühlendes Herz und ihre helfende Hand Wege in das Leben ihrer Mitmen-schen bahnt. Nikolaus findet die Motivation für sein Handeln in Gott, im Jesus von Nazareth, von dem er die Liebe Gottes lernt, die alles Trennende, selbst den Tod überwindet.
Die Geschenke - sind ein Ausdruck dieser grenzenlosen, un-verdienten Liebe. Ausdruck unserer Für-Sorge und Mit-Sorge, dass alle Menschen gerecht und in Frieden leben kön-nen.
So wird er verehrt - als Vorbild, aus dem Glauben zu han-deln.

Liebe Schwestern und Brüder,
es ist vielleicht eine Versuchung, in unserer schnelllebigen Zeit zu leicht an der Oberfläche hängen zu bleiben. Weih-nachtsmann oder Nikolaus - ist es nicht egal?
Vielleicht ist es Beitrag, letztlich, Christus den Weg zu berei-ten, wenn wir einander erinnern warum wir eigentlich diese Zeit mit ihren Gedenktagen und Festen begehen - damit ein-mal alle Menschen das Heil sehen und erfahren, das von Gott kommt. Amen.

 
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