Christmette 2009
Geschrieben von: P. Hans-Georg Löffler OFM   
Im Blick auf das Weihnachtsgeschehen rät der Heilige Fran-ziskus:
"Man muss das Kind in den Armen halten.
Man muss sich unter die Hirten gesellen und einer von ihnen werden.
Man muss die Mutter Gottes und ihren Mann in die Arme nehmen.
Dann geschieht das Wunder der beseligenden Weihnacht."

Was bedeutet das, liebe Schwestern und Brüder, anderes als: „bleibt nicht außen vor!", „stellt Euch hinein in das Gesche-hen der Weihnacht", „lasst Euch ein mit Eurem Herzen und mit Eurem Denken auf das, was hier geschieht: denn


  • Weihnachten ist mehr als das einmalige Ereignis vor zweitausend Jahren, dessen wir gedenken!
  • Weihnachten ist auch mehr als eine „Wort-botschaft" in der Flut der Worte und Botschaften von denen wir jeden Tag neu überschwemmt werden!
  • Weihnachten geschieht und will geschehen hier, und heute und jeden Tag neu, wenn wir den Mut haben, dem mensch-gewordenen Gott zu vertrauen, der heute daliegt - als Kind in der Krippe.

Stellen wir uns also hinein in das Geschehen der Weihnacht, schauen wir es an, das Kind in der Krippe - und lassen wir uns von ihm anschauen.

Da wird in diesem Fest etwas aufgegriffen, das jeden Tag vorkommen kann: ein neugeborenes Kind wird angeschaut, es bewegt, es rührt an.
Denn - auch wenn es noch so klein und zerbrechlich ist, es ist alles da, was es braucht, Mensch zu werden! Es will ge-fördert werden, sich entwickeln und entfalten - die Anlagen zum Guten, die Wahrnehmung des Schönen, der Kern der Wahrhaftigkeit. Es ist alles da - und es mag den Betrachter berühren, weil es erinnert: das alles ist auch in mir - und fragt: was habe ich daraus gemacht? Wie habe ich das Ge-schenk meines Lebens genutzt? Worüber darf ich mich freu-en, wofür kann ich dankbar sein - und was ist auf der Strecke geblieben?
In Neugeborenen leuchtet die Chance zum Neuanfang auf, etwas Tröstliches! Und gleichzeitig zeigt es uns auch die ei-gene Vergänglichkeit an - jede Sekunde, jede Minute, jede Stunde, es vergeht Zeit meines Lebens - in jedem neugebo-renen Kind wird die Begrenztheit des eigenen Lebens deut-lich.

Liebe Schwestern und Brüder,
an Weihnachten schauen wir auf das Kind in der Krippe - ein besonderes Kind - kein harmloses Kind, es ist Gott, der Mensch wird, Gott, der in diesem Kind sagt: Willst Du die Welt verändern - dann nicht mit Gewalt, nicht mit Macht - sondern allein aus der Kraft der Liebe;
im Vertrauen auf das Gute in jedem Menschen,
im Bewusstsein, dass alle Reformkonzepte, wirtschaftlich oder politisch nur dem äußeren Wohlbefinden dienen - der Mensch aber „von Brot allein" nicht leben kann! Der Mensch ohne Liebe, ohne Vertrauen, ohne Verzeihen - verkümmert.
Das Leben des Menschen wird in allem Reichtum arm, ein erbärmlicher Abklatsch von Leben, wenn Hoffnung nicht ge-nährt wird, die Hoffnung, dass es geht, dass wir gerecht, friedlich, ehrlich miteinander leben können - und, dass es sich lohnt!
Letztlich die Hoffnung, dass Leben auf mehr angelegt ist, als auf die Zeitspanne, die in Jahren bemessen wird, die kürzer oder länger - immer aber begrenzt ist.
Und der da in der Krippe liegt, der hilft uns, selbst diese Wirklichkeit annehmen zu lernen. Weil Leben auf mehr an-gelegt ist und der Gott, dem wir unser Vertrauen schenken, das Leben nicht einfach nimmt, sondern vollenden wird!

Das alles können wir im Blick auf das Kind in der Krippe sehen und hören.
Gesellen wir uns also wieder neu unter die Hirten - die sich aufmachen, um über diesen Gott zu staunen;
nehmen wir Maria und Josef in die Arme, als Menschen mit denen uns die Hoffnung verbindet, dass dieser Gott gut ist und denen, die ihm vertrauen alles zum Guten führt und las-sen wir uns berühren, anrühren vom Kind im Stall!
Feiern wir Weihnachten die frohe Botschaft, die er uns bringt - das Antlitz der Welt wird sich verändern - die kleine Welt meines eigenen Lebens - und auch die große weite Welt.
Wie können wir sonst bestehen?

 
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