| Predigt zum 7. Ostersonntag |
| Geschrieben von: P. Hans-Georg Löffler OFM |
|
Liebe Schwestern und Brüder,
Ich glaube, dass durch eine intensive Diskussion, nicht allein zu diesem ökumenischen Kirchentag sondern in den vergangenen Wochen deutlich werden konnte, dass wir uns als Kirche der Verantwortung stellen und lernen wollen, heute an-ders, ehrlicher und offener mit Konflikten, Krisen und Pro-blemen in den eigenen Reihen um zu gehen. Ein angemessenes Zugehen auf Betroffene, ein Hinhören, Wiedergutmachen - im Rahmen des möglichen - werden die Schritte sein, die jetzt gesetzt werden müssen, damit das Umdenken und ein verändertes Handeln von Verantwortlichen der Kirche glaubwürdig wahrgenommen und anerkannt wird. Das ist ein schwerer weil sensibeler Weg: denn es geht nicht nur um das Hinhören-Wollen der Kirche sondern auch um ein Reden-Wollen der Betroffenen; es geht nicht nur um ein Um-Vergebung-Bitten der Kirche sondern auch um ein Vergeben-Können durch die Betroffenen. Wenn aber die ganze so beschämende Auseinandersetzung dem Schutz der Kinder und Jugendlichen dient, die uns heute in den Gemeinden, in den kirchlichen Verbänden und Grup-pen anvertraut sind und einer größeren Aufmerksamkeit für ihre Anliegen und Sorgen, dann setzen wir nicht nur inner-kirchlich sondern gesamtgesellschaftlich einen großen und wichtigen Schritt. Wir wollen keine Vertuschung. Wir stehen ein für Fehler, die in der Vergangenheit begangen wurden. Wir bitten um Vergebung, wo Vertrauen missbraucht wurde. Wir setzen uns ein für eine stärkere und klare Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen und für Präventionsprogramme, sei es in der Ausbildung der Priester, sei es in der Begleitung von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen - aber wir dürfen auch nicht zulassen, dass die Kirche, die Priester und Or-denschristen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in kirchlichen Kindergärten, Schulen, Freizeiteinrichtungen mit einem Generalverdacht belegt oder gar verleumdet werden.
Der Maßstab unseres Handelns, des Handelns der Kirche ist und bleibt Jesus Christus. Vor ihm haben wir uns als Getaufte in erster Linie zu verantworten. In seinem Schreiben an die Christen in Irland hat Papst Be-nedikt diese Dimension, die uns ja als Glaubensgemeinschaft eigen ist, bemerkenswert hervorgehoben. Dann muss sich die Kirche fragen, wie nah die gewachsene Lehre noch am Leben der Menschen ist, auch ihre Morallehre, ob sie von nicht Hauptamtlichen überhaupt noch verstanden wird. Eine christliche Moral, die aus dem Glauben an Jesus Christus erwächst, wird immer das Wohl des Menschen im Blick haben. Eine christliche Moral wird sich immer für den Schutz des Lebens einsetzen. Eine christliche Moral wird sich immer auch wieder überprüfen lassen müssen und fragen: wie wäre Jesus heute mit den Menschen umgegangen angesichts veränderter Lebensumstände, vielfältiger Lebensentwürfe, angesichts von Weiter-entwicklungen in der Medizin und Medizintechnik, in der Psychologie. Zum Wohl der Menschen! Ich erinnere mich, dass Jesus nur denen mit heiligem Zorn begegnet ist, die die Gesetze über den Menschen stellten, die anderen Lasten aufbürdeten ohne sich selbst an ihren Kriterien messen zu lassen und die das „Opfer" höher einstuften als die Barmherzigkeit. Liebe Schwestern und Brüder, Liebe Schwestern und Brüder, Wenn wir Kirche weiterdenken wollen können wir das nur im Dialog mit unseren Schwestern und Brüdern anderer Kon-fessionen! Wir können es nur miteinander, nicht ohne die an-deren und schon gar nicht gegen sie!
|