| Christmette 2011 |
| Geschrieben von: P. Hans-Georg Löffler, ofm |
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Liebe Schwestern und Brüder,
„Alle Jahre wieder“ – ja, alle Jahre wieder die gleichen Vorbereitungen im Advent, die gleichen Texte, die gleiche Botschaft. Ein Weihnachten, ein Christus, eine Botschaft. Es tut gut diese Botschaft zu hören, alle Jahre wieder: „Ein Kind ist uns geboren – ein Sohn ist uns geschenkt!“
Wie gut ist es, dass uns dieses Fest daran erinnert, dass Gott an das Gute glaubt, das er jedem Lebensanfang mit auf den Weg gegeben hat. Wie gut ist es, zu hören, dass Gott sich von dem Vertrauen nicht abbringen läßt, dass das Gute, das er in den Menschen eingesenkt hat, sich doch als stärker erweist als alle Schwäche oder Schuld, die er auf sich laden könnte. Wie gut ist es, dass uns die christliche Tradition in diesem Fest die Einladung Gottes schenkt, neu zu beginnen „alle Jahre wieder“ – denn all das strahlt auf im Kind von Bethlehem – die Hoffnung, das Vertrauen und den Neubeginn. Deshalb dürfen wir an Weihnachten das Kind in der Krippe nicht übersehen, denn in ihm begegnet uns das menschgewordene Wort Gottes, der Heiland der Welt. Nicht unterm Tannenbaum entscheidet sich das Weihnachtsfest – sondern im Stall von Bethlehem. Im Blick auf diesen armseligen Stall von Bethlehem entscheidet es sich ob Menschen auch heute noch so empfänglich sind für die Botschaft dieses Jesus-kindes, dass sie sich von ihm wandeln lassen, nicht verbiegen, sondern ausrichten lassen: entdecke das Bild in Dir, das Gott von Dir hat und versuche ihm ähnlich zu werden, sei Mensch und werde Mensch. Im Blick auf den Stall von Bethlehem entscheidet sich der Sinn auch dieses Weihnachtsfestes, wenn der Glaube von Menschen so stark ist, dass sie den Mut haben, Vergebung zu erbitten oder Vergebung zu schenken, um das Leben wieder in den Blick zu nehmen und es gemeinsam weiter zu wagen. Im Blick auf diesen Stall in Bethlehem, in dieser heute noch so friedlosen Region – wird sich entscheiden, ob der Glaube der Menschen, Juden, Christen und Muslime, der über Jahrhunderte in seinen Eigenarten und mit seinen Gemeinsamkeiten gewachsen ist, so groß ist, dass sie aus diesem, ihrem Glauben heraus wirklich bereit sind Wege zum Frieden zu suchen und sie zu gehen, in der kleinen Alltagswelt und auch in der großen Welt der globalisierten Beziehungen und der wirtschaftlichen Vernetzungen durch die so viele in der Welt unterdrückt und in Unfrieden, in Abhängigkeiten und Unfreiheit gedrängt werden! Nur gemeinsam mit den Menschen guten Willens können die brennenden Herausforderungen unserer Gesellschaft und der Weltgemeinschaft bestanden und die Zukunft in gute Bahnen gelenkt werden.
An Weihnachten feiern wir Christen verbunden auf dem weiten Erdenrund, den Weg, den Gott gewählt hat, um seine Schöpfung zu heilen von den Wunden, die sich Generationen von Menschen aller Nationen und Sprachen durch die Trennung im Glauben an IHN, den einen und wahren zugefügt haben. Denn mit Seiner Menschwerdung erinnert Gott an den Anfang allen Lebens – Kinder sind überall gleich – entzückend und bezaubernd und gelegentlich auch anstrengend; Kinder sind so ausgeliefert und verletzlich und in ihnen steckt so viel, das geweckt werden und zur Entfaltung geführt werden will an Gutem, Kreativem. Keine Religion, die wirklich Gott in den Mittelpunkt ihrer Botschaft stellt, kann exklusiv glauben, dass sich zum Heil nur ein Weg eröffnet. Im Kind in der Krippe spricht Gott alle an. Das Kind in der Krippe ist die Brücke zu Respekt und Dialog auch unter den Religionen.
Gott hat diesen Weg gewählt, um seine Menschheit zu erlösen von der Hybris der Selbstüberschätzung: Mensch, Du bist Mensch – sei Mensch und werde Mensch, sei dankbar für die guten Gaben, die Talente, die Gott Dir geschenkt hat – aber bescheide Dich – überheb Dich nicht in Deinen Ansprüchen, in Deinen Erwartungen an Dich selbst, an andere, an das Leben; bewahre Dir das Kind-Sein. Das Kind in der Krippe ist die Einladung Gottes, sich an den Anfang zu erinnern – und zu fragen, was habe ich daraus gemacht?
Gott hat diesen Weg gewählt, um seine Schöpfung zu retten aus aller Verlorenheit. Der letzte Satz der Maria im Krippenspiel, das wir heute Nachmittag hier in St. Ludwig gesehen haben lautete: „tragt die Freude, die uns Gott in seinem Sohn gebracht, hinein in die dunkele Nacht!“ Liebe Schwestern und Brüder, wir dürfen sie nicht allein lassen, die ziellos, orientierungslos und haltlos-verloren durch diese Stadt und durch ihr Leben laufen. Wir müssen uns interessieren für das, was um uns herum und in der weiten Welt geschieht – und wir müssen uns als Christen einmischen, das Wort erheben und Taten sprechen lassen, damit Gerechtigkeit und Frieden stärker werden. Das Kind in der Krippe sendet uns immer wieder aus, anderen die Freude, den Trost und die Hoffnung dieser Nacht in Wort und Tat zu vermitteln. Viele kleine Mosaiksteine des Guten, still, ganz einfach, ohne Schlagzeilen gesetzt, verändern das Bild unserer Gesellschaft.
Liebe Schwestern und Brüder, „Alle Jahre wieder“! Weil wir alle noch nicht am Ziel sind muss Gott immer wieder kommen, um zu trösten, um zu ermutigen, um das Licht der Hoffnung in uns am Leben zu halten – es ist nie zu spät, sich zu besinnen, es ist nie zu spät, um zu kehren, es ist nie zu spät, neu zu beginnen. „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind“ – Gott sei Dank. Amen. |