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Baustellenchronik 2017-2020

Vorgeschichte 2016

Kinderkopfgroße Stücke der hellverputzten Schmuckflächen der Kirche St. Ludwig zerplatzen auf den Stufen vor dem Haupteingang – Gott sei Dank wird niemand verletzt! Höchste Zeit, sich den Bauzustand der 120 Jahre alten Kirche näher anzuschauen. Ein Architekturbüro wird beauftragt, einen Schadenbericht zu erstellen. Die Bilanz ist erschütternd.

Die letzte umfassende Restaurierung der Außenfassade der Kirche St. Ludwig wurde vor 57 Jahren mit der Beseitigung letzter Kriegsschäden abgeschlossen. Was eine enorme Leistung der Nachkriegszeit bedeutete, ist heute ein Problem: an vielen Stellen wurde — oft der Not gehorchend — billiges und unpassendes Material verbaut, welches inzwischen als gesundheitsschädlich gilt oder zu undichten Verbindungen mit dem ursprünglichen Baumaterial führt. So wurde zum Beispiel Kalkzementmörtel verbaut, dessen hoher Zementanteil zu hart für die Backsteine aus gebranntem Lehm ist, die er verbinden soll. Beide Materialien verhalten sich bei Feuchtigkeit und Temperaturunterschieden nicht gleichartig, aber wegen der Härte des Mörtels gibt der Backstein nach – und bricht teilweise ab.

Die Folgen: Feuchtigkeit kann sich in den Mauern breitmachen. Bewuchs auf den Dächern lässt Wasser in die Fugen und Ritzen eindringen. Frost sprengt das Mauerwerk und schädigt die Stabilität ganzer Wände. Abgeplatzte Steine sind weniger ein kosmetisches Problem als ein gravierendes Sicherheitsrisiko – nicht zuletzt an einem so belebten Platz wie dem Ludwigkirchplatz.

Die Entscheidung für die Sanierungsarbeiten fällt konservativ aus: erstmal mit dem wichtigsten beginnen und die Schäden in größter Höhe beseitigen und sichern. Zunächst kommen Turm und Querschiff, erst mit den Dächern und Zierleisten aus Backstein (Bauabschnitt 1a), dann mit den Fassaden (Bauabschnitt 1 b) vom Nord- und Südportal dran. Der Kostenvoranschlag für diesen ersten Bauabschnitt ist trotzdem beeindruckend: 1,9 Millionen Euro.

September 2018

Aufbau des Baugerüsts am Querschiff sowohl von der Nord-, wie von der Südseite bis hoch zum Turmhelm. Es dauert, bis der Naturschutz sein ok gibt, dass durch das Gerüst die fliegenden Bewohner des Ludwigkirchplatzes – Falken und Fledermäuse – nicht eingeschränkt werden.

Herbst/Winter 2018

An welchen Stellen überall am Quergebäude von St. Ludwig Steine lose oder kaputt sind, welche zu retten und welche zu ersetzen sind, das untersuchen und kartieren die Architekten in mühevoller Detailarbeit den ganzen Herbst und Winter über. In ständiger Absprache mit dem Denkmalschutz, der gerne möglichst Vieles original erhalten möchte, werden Stück für Stück noch brauchbare Steine herausgearbeitet und auf der Baustelle per Hand gereinigt.

Die Feuchtigkeit in den Mauern ist teilweise so groß, dass zwei der Fialtürmchen komplett neu aufgemauert werden müssen.

Überall sind einzelne Steine lose. Wie sehr überall der Putz bröckelt, kann man mit bloßem Auge an vielen der hellverputzten Felder an den Türmchen und entlang der Zierkanten sehen.

März 2019

Die Maurer sind dabei, das Mauerwerk zu reinigen und die Fugen von dem zu harten Mörtel zu befreien.

Frühsommer 2019

Die Backsteine, die ersetzt werden müssen, wurden in 70 Formaten in der mit dem historischen Baumaterial arbeitenden Neuen Ziegel-Manufaktur in Glindow bei Potsdam bestellt und werden nun angeliefert.

Ab Mai 2019 ...

... kann mit dem Wiedereinbau der neuen Steine begonnen werden.

August 2019

Die Dachdecker haben den alten Asbestschiefer des Daches der Quergebäude fachgerecht entfernt. Er muss gesondert entsorgt werden. Ersetzt wird er durch das bauhistorische Original mit guter Materialeigenschaft und hoher Beständigkeit: echter Naturschiefer, der in einem großen Vorkommen in Nordspanien abgebaut wird. Für folgende Dachdeckarbeiten in den nächsten Jahren sollten Schieferplatten in derselben Färbung nachbestellbar sein. Während über den Sommer 2019 wieder die Maurer am Werk sind, bleiben die Dächer nur mit einer weißen Plane abgedeckt.

Mitte August 2019

An höchst prominenter Stelle, unter dem goldenen Wetterhahn und dem filigranen liliengeschmückten Kreuz von St. Ludwig, strahlt – ebenfalls mit Lilien verziert –eine blanke neue Turmtülle aus Kupfer auf der Turmspitze. Sie wird in schwindelnder Höhe von Turmkletterern an der Stelle der ursprünglichen Turmkugel aus dem Jahr 1927, die irgendwann in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts demontiert und durch ein unschönes Provisorium ersetzt worden ist, angebracht.

In der Tülle befindet sich in Anlehnung an das Original in der Turmkugel eine Neuauflage der Zeitkapsel mit folgendem Text:

Im Namen des dreieinigen Gottes

Im August 2019, als Papst Franziskus I. das Volk Gottes leitete, Angela Merkel Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Heiner Koch Erzbischof von Berlin und P. Maximilian Wagner Pfarrer und Guardian des Franziskanerkonventes in St. Ludwig war, wurde das Querschiff der St. Ludwigskirche inklusive des Hauptturmes bis zur Spitze saniert.

Die Dacheindeckung des Turms wurde ausgebessert und der Abschnitt unter dem Kreuz mit einer Tülle gesichert. Die Arbeiten wurden ausgeführt von der Firma Lengert.

Möge der Turm mitsamt dem Gotteshaus bis in die fernsten Zeiten von dem Eifer und der Frömmigkeit der Gemeindemitglieder von St. Ludwig Zeugnis geben.

Berlin – Wilmersdorf, den 14. August 2019

September 2019

Nach einem Jahr Bauzeit sind die Arbeiten am Turm fertig und das Gerüst wird vom Turm zurückgebaut. Die Turmfalken können zurück in den Turm ziehen. Für die Arbeiten des Bauabschnitts 1 b an den vertikalen Fassadenflächen am Süd- und Nordschiff unterhalb der Zierränder bleibt das Gerüst aber noch einige Monate stehen.

Januar/Februar 2020

Die Deckung der großen Dachflächen wird vollendet. Die glatten Fassaden werden mit einfachen Backsteinen ausgebessert.

März 2020

Erst jetzt kann in Augenschein genommen werden, wie es um die Fensterflächen mit den Fensterrosetten an beiden Querschiffen bestellt ist. Rostige Profile, lose Verkittungen der Schutzverglasung und eingetrübte Scheiben der 1977 angebrachten Doppelverglasung der Giebelfenster wurden bereits bei der ersten Begutachtung festgestellt. Aber erst durch den Zugang über das Gerüst wird der tatsächliche Zustand deutlich. Die Schutzverglasungen werden ausgebaut, so dass die Profile überarbeitet werden können. Auch müssen im Mauerwerk um die Rosetten die mangelhaften Fugen entfernt und wieder neu verfugt werden.

Seit Anfang Juni 2020 ...

... ist der Steinaustausch auch an der Südseite komplett. Der ehemalige Schornstein wird abgebaut und die zerstörten Steine dahinter ausgetauscht, der Blitzschutz montiert. Inzwischen werden auch die kleinen Dächer an den Seitenportalen neu mit Schiefer eingedeckt. Außerdem werden um die Rosetten die hellen Putzfelder zwischen den Backsteinen ganz herausgenommen und überarbeitet, so dass alles nicht nur wieder stabil ist, sondern auch schmuck ausschaut.

Finanzierung

Bis Sommer 2020 wurden in zwei Bauabschnitten der Turm, das Dach und die Giebel des Querschiffs (BA 1a) und dessen Fassaden mit dem Nord- und dem Südportal (BA 1b) saniert. Später werden in weiteren Bauabschnitten die Westseite mit dem Haupteingang und die Ostseite mit dem Chor restauriert.

Die Kosten für Bauabschnitt 1a und 1b sind mit knapp 1,9 Millionen Euro veranschlagt. Der Bund hat Mittel in Höhe von 313.000 Euro zugesagt. Von den übrigen fast 1,6 Millionen Euro trägt das Erzbistum nur die Hälfte. Das Landesdenkmalamt beteiligt sich, und die Jenke-Stiftung St. Ludwig schießt insgesamt 400.000 Euro zu. Aus den Rücklagen der Pfarrei werden 125.000 Euro dazukommen. Den restlichen Betrag der Finanzierungssumme in Höhe von 274.000 Euro muss die Gemeinde durch Spenden und Benefiz-Aktionen seit 2017 selbst aufbringen.

Finanzplan 1. Bauabschnitt

Patensteinaktion erfolgreich zu Ende gegangen

St. Ludwig hat, wie alle Berliner Kirchen der Backsteingotik des ausgehenden 19. Jahrhunderts, nicht wie die gotischen Sandsteinkathedralen in Köln oder Freiburg seit dem Mittelalter eine eigene Dombauhütte, die fortlaufend für den Ersatz reparaturbedürftiger Bauteile und Schmuckelemente sorgt. Erst die Begehung durch die Architekten 2017/18 stellte den Bedarf an ca. 31.000 erneuerungswürdigen Steinen am Turm und an den Quergebäuden fest. Diese wurden extra für unsere Kirche in ca. 70 unterschiedlichen Formaten in der historischen Neuen Ziegel-Manufaktur in Glindow südlich von Potsdam „gebacken“.

Eine exklusive Auswahl der Schönsten hatten wir seit 2018 als „Patensteine“ in vier Preiskategorien von 50 bis 200 Euro angeboten. Tatsächlich fanden gerade die drei teuersten und in geringerer Stückzahl verbauten Ziersteine den größten Zuspruch bei den Paten, die ‚ihren‘ Stein gerne in der Fassade von St. Ludwig verewigt wissen wollen.

Bis Dezember 2019 haben 112 Spender die Gelegenheit genützt und die Patenschaft für 181 Ziersteine erworben und an Menschen verschenkt, denen St. Ludwig genau so am Herzen liegt wie ihnen. Mit dieser Patensteinaktion allein sind 25.350 Euro zusammengekommen.

Herzlichen Dank, dass Sie mitbauen und Teil von etwas Großem sind!

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